Wie moderne Pflegeentwicklung gelingt – Zwischen Praxis, Wissenschaft & Bildung

Im Interview mit Jeanette Jeuth, Prokuristin der Linimed Akademie

Fort- und Weiterbildung in der Pflege ist heute weit mehr als reine Wissensvermittlung.Gerade in der außerklinischen Intensivpflege entscheidet sie darüber, wie sicher, reflektiert und professionell Versorgung gestaltet werden kann.

Jeanette Jeuth verbindet langjährige Erfahrung aus Pflegepraxis, Führung und Bildung und beschäftigt sich täglich mit der Frage, wie Lernen als integraler Bestandteil professioneller Pflegeentwicklung gestaltet werden kann. Im Interview spricht sie über moderne Weiterbildung, Theorie-Praxis-Transfer und die Rolle der Pflegewissenschaft für die Zukunft der Versorgung.

Was hat Dich motiviert, Deinen Weg in der Pflege zu gehen – und später den Schwerpunkt im Bereich Bildung zu wählen?

Jeanette Jeuth: Verantwortung und Orientierung haben meinen beruflichen Weg von Anfang an geprägt. Sowohl meine Zeit als Soldatin als auch meine Tätigkeit als Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege haben mir gezeigt, wie wichtig klare Strukturen, reflektiertes Handeln und Menschlichkeit in komplexen Situationen sind.

Im Laufe meiner beruflichen Entwicklung wurde mir immer deutlicher, dass mich besonders eines erfüllt: Menschen dabei zu begleiten, durch Wissen zu wachsen und Sicherheit im eigenen Handeln zu gewinnen.  Bildung verstehe ich deshalb nicht nur als Vermittlung von Fachwissen, sondern als Prozess persönlicher Entwicklung und Verantwortungsübernahme. Mein Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Lernen, Wachstum und Mitgestaltung möglich sind. In der Linimed Akademie, dem internen Fort- und Weiterbildungsanbieter der Linimed Gruppe habe ich dazu die Möglichkeit.

Welchen Anspruch stellst Du an moderne pflegerische Fort- und Weiterbildung? 

Jeanette Jeuth: Mein Grundsatz ist: Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Wissen darf nicht isoliert vermittelt werden, sondern muss in Handlungskompetenz übergehen. Dazu braucht es Reflexion, Austausch im Team und eine Lernkultur, in der Fragen ausdrücklich erwünscht sind.

Evidenzbasierte Pflege unterstützt Fachkräfte dabei, Entscheidungen bewusst und nachvollziehbar zu treffen. Bildungsarbeit schafft die Grundlage dafür, dass dieses Wissen sicher in die Praxis übertragen werden kann.

Welche Rolle spielt dabei die Linimed Akademie innerhalb der Linimed Gruppe?

Jeanette Jeuth: Als interner Fort- und Weiterbildungsanbieter verbindet die Linimed Akademie Bildung unmittelbar mit Qualitätssicherung. Unsere praxisorientierten Lernkonzepte fördern Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Handlungssicherheit – zentrale Faktoren für eine stabile Versorgung in der außerklinischen Intensivpflege.

Was unsere Bildungsarbeit besonders macht, ist die enge Verzahnung mit der Praxis. Pflegekräfte, Dozent:innen, Therapeut:innen sowie Qualitäts- und Case Management arbeiten als gemeinsames Netzwerk zusammen. Die enge Zusammenarbeit mit dem zentralen Qualitätsmanagement gewährleistet die verbindliche Umsetzung gesetzlicher Vorgaben. Gleichzeitig sichern qualifizierte Mitarbeitende mit pflegewissenschaftlichem und pädagogischem Hintergrund sowie praxisnahe Dozent:innen die fachliche Aktualität. Bildung entsteht aus realen Versorgungsprozessen und fließt direkt wieder in diese zurück.

Wie gelingt der Theorie-Praxis-Transfer im hochkomplexen Setting der außerklinischen Intensivpflege?

Jeanette Jeuth: Theorie und Praxis gehören untrennbar zusammen. Wissen erklärt das Handeln – und praktisches Handeln vertieft das Wissen. Ein gutes Beispiel ist unser Basiskurs für die außerklinische Intensivpflege: Auf eine theoretische Phase folgt die direkte Praxiserfahrung, die anschließend gemeinsam reflektiert und fachlich eingeordnet wird.

So entsteht ein Lernkreislauf, der Verständnis und verantwortliches Handeln fördert. Dieser Prozess stärkt langfristig Professionalität und Versorgungssicherheit.

Welche Entwicklungen siehst Du für die Zukunft der Pflegebildung?

Jeanette Jeuth: Pflege wird fachlich und strukturell komplexer. In der außerklinischen Intensivpflege können kleinste Veränderungen große Auswirkungen haben. Themen wie ethische Entscheidungsfindung, interprofessionelle Zusammenarbeit und Selbstführung werden zunehmend wichtiger. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung die Bildungslandschaft und ermöglicht flexible Lernformate – ohne die Bedeutung gemeinsamer Präsenz- und Reflexionsräume zu ersetzen.

Ich sehe außerdem große Chancen in erweiterten Verantwortungsbereichen für Pflegefachpersonen. Damit diese Entwicklung gelingt, müssen Bildungsstrukturen Veränderung aktiv begleiten und Räume schaffen, in denen Verantwortung gelernt und gelebt werden kann.

Bei der Linimed Gruppe zeigt sich dies im täglichen Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche. Gerade in der Bildungsarbeit entsteht so ein gemeinsames Verständnis von Versorgung, das Qualität nachhaltig stärkt.

Danke Jeanette für Deinen Einblick! 

Das Interview mit Jeanette Jeuth zeigt: Moderne Pflegebildung verbindet Praxis, Wissenschaft und Reflexion. Sie ist ein zentraler Hebel für Qualitätssicherung, Personalentwicklung und zukunftsfähige Versorgung – insbesondere in der außerklinischen Intensivpflege.

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